Projektinfos

Mit der neuen Dauerausstellung „Klima. Wissen. Handeln!“ greift das Technische Museum Wien die Klimakrise auf. Auf 600 m² beleuchten Medieninstallationen, interaktive Elemente und Objekte verschiedene Perspektiven des Klimawandels. Nachhaltigkeit zieht sich auf allen Ebenen durch die Ausstellung. Denn nicht nur die Inhalte behandeln das Thema, sondern auch die nachhaltige Gestaltung und Wissensvermittlung interpretieren die Forderungen nach langfristigen sozioökonomischen und ökologischen Handlungsweisen. Somit wird nachhaltige Ausstellungsarchitektur und -gestaltung zum erklärten Ziel der gesamten Umsetzung.

NACHHALTIGE AUSSTELLUNGSGESTALTUNG

Gemeinsam mit studio itzo wird das Konzept „Reduce. Re-use. Recycle.“ als Paradigma für die gesamte Ausstellung herangezogen: Reduktion durch minimalen Material- und Ressourceneinsatz sowie Vermeidung von Überflüssigem, Wiederverwendung bestehender Elemente wie Kompaktplatten aus der Vorausstellung und Ausschöpfen regenerativer Verwertungsmöglichkeiten bei der Auswahl neuer Darstellungsmittel. Die Umweltbilanz wird im Sinne der gesamten Lebensdauer betrachtet, um künftige Nachnutzung zu ermöglichen.

Ein Faktor, der der gesamten Gestaltung zugrunde liegt, ist die Aktualisierbarkeit. Das Thema Klimawandel ist an konstante Veränderungen gebunden, durch neue Erkenntnisse, Fakten und Zahlen. Die Ausstellungsinhalte müssen deshalb kontinuierlich anpassbar sein. Dieser Anspruch wird in ein modulares Ausstellungssystem umgesetzt: Austauschbare direktbedruckte Kompaktplatten dienen als Träger für langfristige Informationen, bedruckte Naturtapeten sind die Basis für dynamische Inhalte. Durch diese Differenzierung können Inhalte relativ einfach angepasst werden. Ein durchgängiges Punkteraster zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung: Es ermöglicht ein einfaches Tauschen und Platzieren der Inhalte und findet sich in den Illustrationen sowie den Materialien, wie dem Lochblech, wieder.

INFORMATIONSDESIGN ALS AUSSTELLUNGSDESIGN

Ausstellungsinhalte, die sich aus Daten, Zahlen und wissenschaftlichen Fakten kumulieren, erfordern eine Darstellungsform, die verständlich die Zusammenhänge visualisiert. Mit großformatigen Diagrammen und plakativen Infografiken werden komplexe Sachverhalte vereinfacht und nachhaltige Wissensvermittlung gefördert. Gleichzeitig wird eine Gestaltung angestrebt, die nicht in ökologische Stereotype abdriftet. Die handgezeichneten Illustrationen verleihen der Ausstellung einen charmanten, nostalgischen Charakter, um verschiedene Diagramme und wissenschaftliche Aussagen zu vereinheitlichen und schwierige Zusammenhänge schnell und einfach zu erklären. Die Illustrationen ermöglichen einen spielerischen, zugänglichen Ansatz, der Besucher:innen jeden Alters anspricht.

Ein festgelegtes Farbkonzept kennzeichnet die verschiedenen Ausstellungsinhalte: Sanfte Pastelltöne schaffen eine freundliche Atmosphäre, Blätterteiggelb führt die vorgegebene Farbigkeit der rezyklierten Kompaktplatten fort, ergänzt von Magnolia und Signalrot. Letzteres dient als Kennzeichnungsfarbe für Interaktivität und Handlung an Hör-, Film- und Hands-on-Stationen sowie barrierefreien Tastobjekten.

NACHHALTIGE, BARRIEREFREIE VERMITTLUNG

Die klar strukturierten Ausstellungsbereiche ermöglichen einfache Orientierung und gezielte Vertiefung, ohne zu überladen. Barrierereduktion zeigt sich in der Textierung, Zweisprachigkeit, Untertitelungen, barrierefreier Möblierung und den Taststationen. Verschiedene Zugänge der Vermittlung sprechen ein diverses Publikum an. Eine Kennzeichnungssystematik von silbernen „Gender-Stickern“ macht die Genderthematik sichtbar und weist auf Gender-Ungerechtigkeiten sowie Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit hin. Durch ungefilterte Interviews mit Expert:innen auf den jeweiligen Gebieten erhalten Besucher:innen.
Einsichten, die an Social-Media-Livestreams erinnern. Erzählungen werden in eine einfache, visuelle Sprache übersetzt, und abstrakte Zusammenhänge werden durch Bild- und Videosequenzen veranschaulicht. Installationen wie die ESA-Station, die projizierte Satellitendaten visualisiert, und der Future Simulator als interaktiver multimedialer Raum erlauben tiefes Eintauchen in das Thema Klimakrise.

„Klima. Wissen. Handeln!“ steht für die gestalterische und funktionale Reduktion auf das Wesentliche und zeigt dabei, dass Mehrwert für Gegenwart und Zukunft auch durch Verzicht entstehen kann.

Das modulare Grafikdesign ermöglicht schnelle und unkomplizierte Adaptierungen der Ausstellungs­inhalte. Mit der Forderung nach Nachhaltig­keit in der Gestaltung setzt MOOI DESIGN auf verschiedenen Ebenen an: bei den angewendeten Darstellungs­mitteln, bei der Barriere­reduktion, bei der Aktualisier­barkeit der Dauer­ausstellung oder auch beim Material­einsatz.

Gudrun Ratzinger, Projektleiterin