Projektinfos

Die Präsentation der Ausstellung „Visionär – Herbert W. Franke“ im Francisco Carolinum war aus mehreren Gründen außerordentlich. Wie oft kommt es schon vor, dass jemand noch miterleben kann, wie sein Werk nach Jahren in der Gegenwart ankommt und von einem jungen Publikum gefeiert wird?

Der Medienkunstpionier Herbert W. Franke, war als Doktor der theoretischen Physik vom mathematischen Prinzip der Stetigkeit fasziniert. Nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Natur, wo er als Höhlenforscher dasselbe Prinzip bei Tropfsteinen beobachtete. In dieser Manier fand er spannende Wege Kunst und Wissenschaft zu verbinden. Franke war in vielen Punkten seinem Schaffen der Zeit weit voraus. Als Science-Fiction-Autor schrieb er zahlreiche Romane, nahm mit der Z-Galaxy das Metaverse vorweg und war federführend in der Gründung des Ars Electronica Festivals 1979. Und dennoch erlebte er in Linz erst seine dritte Einzelausstellung.

Anlässlich seines 95. Geburtstages wurde eine multimediale Ausstellung für dieses herausragende, multidisziplinäre Werk geschaffen. Das Resultat der Szenografie, eine reduzierte Ausstellungsarchitektur aus Gerüsten, nimmt Bezug auf seine erste Ausstellung im MAK (1959). Dicht tapezierte Wände in unterschiedlich inszenierten Räumen gliedern die Ausstellung thematisch: Tropfsteine und Bandformen werden in Anlehnung an die Höhlenforschung in einem dunklen Raum gezeigt. Die visuelle Ästhetik der Mathematik wurde als raumfüllendes, farbenfrohes Mosaik konzipiert. In „Vom Weltmodell zum Metaverse“ können schöne Aussichten auf die fantastischen Welten und die Z-Galaxy genossen werden. Herzstück dieses Bereichs ist ein original IBM-PC, der zellularen Automaten generiert.

Ein wesentliches Gestaltungselement ist die codebasierte Typografie, die Bezug auf den generativen Ansatz in Frankes Werk nimmt. Angelehnt an die Syntax von MS-DOS, werden die umfangreichen Archive und Werksserien mit F:\>dir gelistet. Akkurat Mono simuliert den Code und in Kombination mit der JHA Times Now – eine Referenz zu frühen Systemfonts auf Windows 95–XP.

In Summe ergibt das ein dichtes Netz aus Formeln, Zitaten und Arbeiten, die ein spielerischer, aber stets respektvoller Versuch sind, das umfassende künstlerische Lebenswerk eines Pioniers abzubilden.

Kunde
OÖ Landes-Kultur GmbH

Jahr: 2022

PartnerInnen

KURATORINNEN

PROJEKTLEITUNG / PRODUKTION

  • Michaela Fröhlich
  • Jarno Bachheimer

PRODUKTION

  • jot2
  • Collage Design OG
  • Trevision

FOTODOKUMENTATION

Datum: 29.03.22–03.07.22

Location: Francisco Carolinum Linz

Kategorien

  • Ausstellungsarchitektur
  • Ausstellungsdesign

„Die Ausstellung ist viel schöner als erwartet.“

Herbert W. Franke