Ist es notwendig einem Thema, das in der Gesellschaft stark umstritten wird noch mehr Raum zu geben? Braucht es eine weitere Ausstellung zu Feminismus? Und was ist überhaupt feministisches Design?
Das Nordico Stadtmuseum öffnet sich erstmals für ein spannendes, museales Experiment, welches Besucher*innen und feministische Aktivist*innen, Frauen*-, LGBTQIA+- Initiativen und Vereine einlädt sich persönlich mit der Vielfalt der Feminismen auseinanderzusetzen und sich aktiv zu beteiligen. Die Ausstellung „What The Fem⚹? – Feministische Perspektiven 1950 bis heute“ bindet so das Unangenehme, den Widerstand und die Wiedersprüchlichkeiten vorsätzlich ein.
Als Museum under de/construction eröffnet die Ausstellung unfertig: einzelne Wandbereiche bleiben leer und bieten Raum für Diskurs, Feedback und Ergänzung, denn um der Vielfalt innerhalb des Feminismus gerecht zu werden ist es erstmals notwendig, das eigene (Selbst)verständnis zu hinterfragen und die komplexe Pluralität innerhalb des Feminismus Raum zu geben.
Auch wir Gestalter*innen mussten uns bewusst machen, das Gestaltung niemals neutral sein kann und immer im Verhältnis zu uns und dem sozialen Wandel der Gesellschaft steht. Unsere Gestaltung hat grossen Einfluss darauf, wie Informationen wahrgenommen werden. So entstand der Anspruch der feministischen und partizipativen Ausstellungsgestaltung: Möglichst inklusive, partizipativ, gendersensibel und intersektional.
Feminismus ist nicht gefällig und immer unangenehm, so auch die Szenografie der Ausstellung: eine Unterbrechung der gewohnten Wege der Besucher✻innen, verdeckend, im Weg und (selbst)reflektierend. Feministisches Design zeichnet sich auch durch eine möglichst inklusive Gestaltung aus: Die gewohnte Hängungshöhe der Kunstwerke wird an der Durchschnittshöhe von weiblichen Besucherinnen ausgerichtet.
Um möglichst vielen Menschen Zugang zu den dichten Inhalten zu ermöglichen wurde bewusst mit starken Informationskontrasten und Texthierachien gearbeitet.
Auch in der Gestaltung des Sprachbildes kommt Inklusion zum Tragen: durch einen bewussten, gendersensiblen Umgang der Sprache und Typografie. Ausgedrückt durch eine Diversität an Gendersternen und durch den ausschließlichen Einsatz von Schriften die von FLINTA* entwickelt wurden.
In sechs Themenräumen werden zeitgenössische Kunstpositionen, Artefakte, Fem*Geschichte von Linz sowie persönliche Erfahrungen präsentiert. Die Ausstellung versteht sich als Vorschlag, sich neugierig auf andere Perspektiven einzulassen und festgefahrene Ansichten zu hinterfragen.